Rehabilitation für Gehörlose
Der Personenkreis
Das Rehabilitationsangebot richtet sich vorrangig an gehörlose Menschen, die Lautsprache künstlich, d.h. nicht über das Gehör erlernt haben. Ihre »Muttersprache« ist die Gebärdensprache, deren Strukturen sich von denen der Lautsprache deutlich unterscheiden.
Gehörlose Menschen sind, insbesondere hinsichtlich ihrer allgemeinen und berufsspezifischen Informations- und Bildungschancen, erheblich benachteiligt. Benachteiligt deshalb, weil viele Bildungsangebote, als auch soziale Angebote lautsprachlich orientiert sind. Lautsprachliche Informationsvermittlung ist weitgehend an die akustische Aufnahme gebunden. Diese Form der Kommunikation greift beim Gehörlosen nicht und kann durch die Differenzen in den beiden Sprachstrukturen auch durch das Mundabsehen nicht hinreichend ausgeglichen werden.
Auch die Schriftsprache ist für viele Gehörlose nur schwer zugänglich. Mit ihren grammatikalischen Strukturen und ihrem umfasssenden Wortschatz ist sie dem von Geburt an gebärdensprachlich orientierten Gehörlosen wenig vertraut.
Während sich Gehörlose untereinander in der Regel ohne Schwierigkeiten verständigen können, sind Sozialkontakte mit hörenden Menschen meist durch eine schnelle Isolation gekennzeichnet.
Ziele
Die gehörlosen Teilnehmer/innen sollen ihre Verständigungsmöglichkeiten erweitern. Dazu ist es wichtig, dass sie:
- – einen besseren Zugang zur Laut- und Schriftsprache finden,
- – ihre Deutschkenntnisse erweitern,
- – die Ausdrucks- und Verhaltensweisen in der lautsprachlich orientierten Umwelt erkennen,
- – Ausdrucks- und Verhaltensweisen verstehen und als Informationsquelle nutzen,
- – sich mit ihrer Identität auseinandersetzen,
- – mehr Selbstsicherheit gewinnen,
- – Lebenssituationen aktiver mitgestalten.
Damit sollen gehörlose Teilnehmer/innen die Möglichkeit erhalten, sich in ihrer lautsprachlich orientierten Umwelt besser zurechtzufinden. Sie werden befähigt, ihre Interessen und Rechte besser wahrzunehmen. Für berufstätige gehörlose Teilnehmer/innen können diese Faktoren Voraussetzung sein für:
- – den Erhalt des Arbeitsplatzes,
- – die Erschließung eines Arbeitsplatzes,
- – die berufliche Verbesserung und Anpassung,
- – berufsfördernde und rehabilitative Maßnahmen.
Inhalte
Alle Bereiche zielen darauf ab, Hilfen zur Verbesserung der Verständigung zu entwickeln. Sie geben dem gehörlosen Rehabilitanden die Möglichkeit, sich mit der eigenen Situation und Identität auseinanderzusetzen. Alle Rehabilitationsinhalte werden auf der Grundlage der Gebärdensprache vermittelt.
Spezielle Förderrehabilitation
Das Reha-Zentrum bietet für kommunikativ schwache Gehörlose und für Gehörlose mit eingeschränkten Lernfähigkeiten spezielle Förderungen an. Diese Förderangebote richten sich auch an gehörlose Menschen mit Migrationshintergrund, die im Bereich der Schrift-, Laut- und Gebärdensprache eine besondere Förderung benötigen.
Mit speziellen Förderangebote unterstützen wir zudem Gehörlose, für die sich die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und die Anpassung an die Anforderungen und Gegebenheiten der Gesellschaft problematisch gestaltet.
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